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Dienstag, 27. Februar 2018

Von nüchterner Besoffenheit und lustvoller Selbstannahme...

Nachtrag zum "Rendezvous mit Herrn Renz" vom 10.02.18

Als es mich am nächsten Morgen um 4 Uhr in der Früh aus dem Bett und auf die Brille trieb, wurde mir dorten schlagartig klar, um was es dem "Alten Meister" gegangen sein könnte, als er den  "Idioten" aufforderte, logische Schlüsse aus seinem Resümee zu ziehen - ungeachtet dessen, dass logische Schlussfolgerungen spirituell höchst unkorrekte Verhaltensweisen des schnöden Egominds sind - Pfui über ihn!
Um den Faden erneut aufzuheben, hier noch einmal der Vers, - ein Fundstück im Forum der Letzten Tage - auf den sich u.a. Karl Renz und mein letztes Blogposting bezog und der mich noch am frühen Morgen beschäftigt hielt:

Das Selbst ist weder Mann oder Frau, noch ist es androgyn:
Es ist weder Intellekt noch Vorstellung.Wie kannst du dann glauben,
dass das Selbst glückselig oder freudlos ist?

[aus: Dattatreya, Avadhuta Gita, 1.471.47.]

Der Eine Ton
(Collage ByMe)
Zunächst habe ich noch etwas an dem hinterlistigen Stil zu bemeckern, dessen sich der Heilige Mann befleissigt: Er bedient sich da nämlich eines ganz dräckischen "Konjunktivismus", bei dem zunächst  - im ersten Teil - eine  (unbewiesene)  Ursache (Grund) gesetzt wird, aus dem heraus dann im zweiten Teil eine logische Wirkung geschlossen wird und werden soll (Zirkelschluss). Tatsache aber ist,  dass das Causal-Prinzip im grundlosen! SELBST-SEIN aufgehoben ist und dass man als "Weiser" im Bezug zum Transpersonalen niemals ursächlich argumentieren kann. Ich kann das daher nur so verstehen, dass der Schüler hier aufgefordert wird, 1. die Lehre/Glaubenssätze anzunehmen über das,  was das Selbst NICHT ist und 2. die weiteren Schlüsse, die sich daraus ergeben, selbst zu ziehen und jeden falschen Glauben aufzugeben - um einen ANDEREN anzunehmen. 

So allein wie er dasteht,  macht der Vers für mich überhaupt keinen Sinn, deswegen glaube ich, dass er aus dem Zusammenhang gerissen wurde...weshalb ich mir mal kurz die Zeit genommen und mal gegoogelt habe -  und siehe da >>>
http://www.avadhuta-gita.de/ pdf by Wilhelm Klingholz
Auf den ersten Blick finde ich zwar nicht das primär Gesuchte, aber es fällt mir schon eine Antwort auf die Frage ins Auge,  wie es möglich ist, dass man glauben kann, dass das Selbst glückselig sowie freudlos sein könnte, die Antwort scheint aus dem selben Mund zu kommen, der oben noch mahnt, wie man denn glauben könne, dass das Selbst glückselig (oder freudlos) sei :
(...) Mein Wesen ist Glückseligkeit und Makellosigkeit.
Glückseligkeit!!! Hey! Und dies wird am Ende eines jeden Verses wiederholt! Also was denn jetzt,  was soll der Schüler denn nun glauben - es ist ja nicht jeder Widerspruch ein göttliches Paradox!  Das ist schon sehr verwirrend, derweil so ein Schüler die Geister nicht unterscheiden kann und deshalb noch nicht erkennen kann, dass das WESEN des SELBST eine GEGENSATZLOSE=immerwährende "Glückseligkeit" ist - im Vergleich zum Glück des Egos , dessen (Un-)Wesen es ist, immer zwischen Glück und Unglücklichsein/Freudlosigkeit zu  schwanken.
Ich suche weiter, weil ich noch nach Klarheit über die restliche Bedeutung dürste. So diffus wie der Vers formuliert ist, entspricht er m. E.  nicht dem klaren Stil des "Avadhuta", wie er mir er in der Klingholz- Pdf vorliegt. Aha - ich werde fündig:  hier die ORIGINALfassung im 1. Teil: Die Unterweisung in Wissen I, Vers 47


47. Es ist nicht neutral.
Es ist nicht Mann. Es ist nicht Frau.
Es ist nicht Bewusstsein.
Noch ist es eine Vorstellung.
Es hat keinen Frieden,
noch ist es ohne Frieden.
Wie kann man also das Selbst verstehen?


Das klingt schon gaaanz anders, da gibt es auch nix zu meckern dran... Ausser, dass ich unter Neutralität den nicht wertenden Charakter des GEWAHR-Seins verstehe, aber da kommt man wieder in die EindeutigkeitsBredoullie, denn das Gewahrsein ist weder wertend noch NICHT wertend.

Ich habe was dagegen, das Selbst glückselig zu nennen, es ist wie jede Definition fragwürdig. Man kanns nicht anders als im Paradox beschreiben, in diesem Sinne  empfinde ich die ultimative Seinsweise als eine Art nüchterner Besoffenheit. Flow...

                                                                               ****

Wenn ich von "Postmoderner Spiritualität" spreche, dann definiere ich diese allein aufgrund der Art und Weise, wie sich mir Spiritualität seit 6 Jahren auf dem spirituellen Internet-Marktplatz der diversen Foren und Facebook-Seiten  darbietet.  Insofern habe ich festgestellt, dass sie zu einem großen Teil dem Junk- und Fastfoodbedürfnis des aktuellen Zeitgeists entspricht und letzten Endes auf eine Spiritualität ohne Gott hinauszulaufen scheint - was offenbar " dem übergeordneten Trend zur Säkularisierung" entspricht  (W. Ehrmann, siehe unten)
Zunächst halte ich Spiritualität als solche für religionsübergreifend, als Spiritualität den exoterischen Glauben bzw. den  Raum der Religion verläßt und mit der von der Religion gepredigten "Umkehr" tatsächlich Ernst macht, indem sie vom Glaube zur Praxis schreitet. Spiritualität will nicht noch mehr der Dogmen, sondern sucht den Geist HINTER  den Dogmen

                                                                            *****.

Gerade fiel  mir ein Video über Nondualität in den Fokus, in dem wurde gleich zu anfang mit der Karotte des "Nichts-Tuns" gewunken: ein postmoderner besser gesagt:  postspiritueller Glaubensartikel, der besagt, um in die "Nondualität einzutauchen", bedürfe es keinerlei Veränderung, die Identität würde nicht verloren gehen. 

Na, das ist mal eine glatte Unwahrheit: Niemals kann man mit dem Ich-Gefühl in die Nondualität "eintauchen". Wo Ich anwesend ist, ist Gott/Nondualität/Einheit/SELBST abwesend.
Tatsächlich muss  nichts verändert werden, das heisst, du musst nichts bestimmtes tun, ausser ACHTSAM zu sei, aus der Achtsamkeit erfolgt alles andere wie von SELBST. Die Veränderung liegt in der Achtsamkeit begündet, die Achtsamkeit bewirkt die Annahme und Akzeptanz dessen, was hier und jetzt gerade los ist - bei MIR los ist, nirgends sonst.  Was man häufig in diesen Kreisen nicht weiss: Annahme meint immer subjektbezogene Selbstannahme.
Ich glaube,  dass es einem unbewussten spirituellen Sucher aufgrund seiner Aussenorientierung erst mal unmöglich ist, sich selbst anzunehmen und er sich stattdessen zunächst in objektbezogener Annahme übt und dies wahrscheinlich so lange tun wird, bis ihn ein geistiger Paukenschlang zur UMKEHR zwingt.

In der objektibezogenen Annahme nimmt man alles an, was von aussen auf  das Ich zukommt, "das, was ist" wird in der Aussenwelt festgemacht, bei den äusseren Geschehnissen, der Aktion und Reaktion der Anderen.     
Bei der subjektiven Selbstannahme ist "das, was ist",  primär meine subjektive Reaktion/Gefühle auf die objektiven Gegebenheiten in der Aussenwelt im persönlichen Hier und Jetzt.

Bei der objektiven Annahme handelt es sich um eine patrarchalisch-christliche Askeseübung, eine masochistische Unterwerfung unter den Schmerz, die anfangs durchaus sehr lustvoll sein kann. Die Aussenwelt wird zum Substitut für Gott. Jeder zugefügte Schmerz, jede Beleidigung wird empfängen wie aus den Händen Gottes.
Aber alles, was auf aussen auf das Ich zukommt, ist der falsche Gott, er mag sich noch so heilig gebärden. Bevor man ein Schmerzjunkie wird und ein ausgewachsener Masochist, sollte man beizeiten davon abspringen.
Die subjektive Selbstannahme ist die matriarchalisch-heidnische Erlaubsnisgebung für alles, was in MIR menschlich ist.  Das ist für das christliche Askesebewusstsein schlichtweg die Hölle und der Teufel ist immer das Weib.  

ACHTUNG! Zwischen diesen beiden Polen von Chaos und Alter Ordnung findet der innerpsychische Kampf zwischen Gut und Böse statt! Der Original-Djihad! Der Heilige Krieg! Dies ist ein äusserst wichtiger Punkt, weil sich hier auf der einen Seite das äusserste  Leid und auf der anderen Seite die größte "Glückseligkeit" abspielt: zwischen den Polen der Erlaubnisgebung,  ganz Ich zu sein und dem Ge-bot, Nicht-Ich zu sein.
Egal, in welchen Pol man ein schwingt, - es ist ausweglos man wählt immer den Tod:  entweder den Tod/Regression des Ichs in der prärationalen Unterwerfung und im lustvollen Aufgehen im WIR/ Kollektiv oder der Tod des Egos in der "progressiven" Auflösung der kollektiven Konditionierungen. 

Das sind hier keine theoretischen Erörterungen, ich spreche hier aus eigener Erfahrung, ich habe an anderer Stelle schon einmal davon berichtet, wie ich ca. 20 Jahre lang zwischen zwei Extremen hin- und hergependelt bin wie zwischen Manie und Depression. Erst JETZT gerade offenbart sich mir die Sache in einem erweiterten  Bedeutungsrahmen und ich kann in Worte fassen, was sich der Beschreibung bislang entzog.
(Unter diesem Gesichtspunkten betrachte man mal den aktuellen weiblichen Zeitgeist,  den Humanitarismus!)

Es erfordert schon eine erhöhte achtsame Praxis, um die Wahrheit zu erkennen,  dass die Veränderung in der Selbstannahme verborgen liegt und gewissermassen eine Art Abfallprodukt oder ein Zusatzgeschenk ist, da sie nicht erstrebt werden kann, sondern sich aus sich SELBST heraus ent-wickelt.   Und das ist Schwerstarbeit, weil es die meisten Widerstände gegen die Selbstannahme gibt, da das Ego nicht sich selbst, sondern nur das annehmen kann, was von aussen auf es zukommt. Ein Ego, das sich selbst annimmt, erhöht sich.

Genauso wenig wie gesehen wird, dass auch der Widerstand gegen Veränderung angenommen werden muss, so wenig kann der Egomind sehen,  worin die Veränderung liegt.  Er kann sich nicht selbst aus dem Sumpf ziehen.  Selbstannahme der Person ist immer SELBSTannahme in, mit und durch das Wahre SELBST. Das Ich ist ja doch nicht in seiner Gänze vom Wahren Selbst getrennt! Achtsamkeit kommt nicht aus dem Ego, sondern aus dem Geiste des Gottes bzw. des Gewahrseins. Achtsamkeit etabliert sich im Geiste ehrlicher schonungsloser Selbsterforschung (was nicht mit christlicher Gewissenserforschung zu verwechseln ist!

Die Wahrheit liegt also in der Subjektiven Selbstannahme und der bewussten Ich-Identifizierung verborgen: Im selben Maße wie man sich selbst annimmt, nimmt man auch die Anderen an. Niemals umgekehrt! Selbstannahme wurde im Christentum als destruktiver Narzissmus und Egoismus diskriminiert. Der wahre Weg zur Wahren SELBSTLiebe führt IMMER über die Annahme und Selbstliebe des Kleinen Selbst (Ich).


Donnerstag, 22. Februar 2018

Was ist ein erwachtes oder offenes Herz?

Meine ungefragte Antwort auf die Frage: Was ist ein erwachtes oder offenes Herz? (Die Frage ging an einen sog. Erwachten)
Eine Kurzdefinition würde lauten:
Herzöffnung ist das langsame Erwachen der Liebe zu sich selbst.
Das Herz öffnet sich in Tiefenprozessen kontinuierlich mit der Schattenintegration - um so mehr Schatten integriert werden, um so mehr Selbstliebe um so mehr öffnet sich das Herz. Wenn das Herz  sich öffnet, dann nicht  primär  der Welt und den Dingen/Menschen darin - (Ich=Welt!!!)-  sondern im Erbarmen gegenüber der Person, die ich  j e t z t bin.... In der Heilung der Person, für die übrigens das "Herz Jesu" steht, welches in letzter Konsequenz das unsere ist.

Wenn es in der Bibel heisst, zum Vater komme man nicht über den Sohn, dann bedeutet es genau dies: Zum geistigen (transpersonalen) Heil kommt man nur über die personale Heilung, der Gesundung des Ich. Ein ungeheiltes Ich kann nicht transzendiert werden, da vor der Transzendierung die Transformation steht. Transformation ist nichts anderes als Heilung der Person. Transformation kann man beschreiben, Transzendierung nicht. Transzendierung/Gott hebt das geheilte Ich in die Einheit "des  Vaters, Sohnes, Heiligen Geistes".
Psychospirituelle Heilung mündet immer ins geistige "HEIL" (Heiligkeit) Ins e w i g e   JETZT-Bewusstsein kommt man nur über das personale Jetzt-Bewusstsein der Person. Der erste Schritt zur Heilung der Person ist die Annahme der eigenen Gefühle hier und jetzt,  statt sie wie so oft zu verdrängen. (Vergangenheitsbewältigung, Aufhebung der Verdrängung geschieht immer Hier und Jetzt an hand der Gefühle, die ich im Hier und Jetzt bewusst fühle. Man muss nicht in der Vergangenheit bohren, die Gegenwart bietet jede Menge an Auslösern für Gefühle, die eigentlich nur automatische Reaktionen sind, die in der Vergangenheit angelernt wurden.)

Im übrigen initiiert man so etwas wie einen Glaubens- bzw. Religionskrieg, wenn  man jemandem den Glauben an die Person/Ich  vorwirft,  da derjenige, der dies einem anderen vorwirft vom gegenteiligen Glauben befallen ist.  Gleich, ob man so oder so überzeugt ist - Glauben ist nur Glauben im Sinne von dogmatischem Überzeugtsein und ist aus transpersonaler Sicht eine schnöde Meinung wie jede andere. Der Verstand ist ein Dogmenjunkie...Glauben heisst mit Glaubenssätzen identifiziertsein. Der Glaubenssatz, es gebe keine Person, ist  von der Qualität her nicht anders das Dogma von der jungfräulichen Geburt Jesu oder der Auferstehung Jesu in den buchstäblichen blauen Himmel.

Um zu heilen geht es zuvorderst darum, ein Ich, eine wirkliche Persönlichkeit erstmal zu werden/sein - die Transzendierung erfolgt dann quasi automatisch durch die innere Führung.
Ins ewige JETZT-Bewusstsein kommt man nur über das personale Jetzt-Bewusstsein der Person.
Im ersten Erwachen öffnet sich das Herz  zugleich mit dem Auge des Gewahrsein, aber nur einen kleinen bekömmlichen Spalt, denn das Herz ist ein großes Herz, es ist das unendliche Bewusstsein/Gott selbst, in dem alle Dinge und Welten im doppelten Sinne  aufgehoben sind. Ein Gewahrsein dessen wird nur dem zuteil, der zugleich seinen Verstand geläutert hat. Verstand und Herz im Einklang ist Gewahrsein. Das Herz hört niemals auf, sich dem Unbekannten (Gott) zu öffnen, da es die Unendlichkeit selbst in sich aufnimmt.

Die Fehlgehung der meisten sog. Erwachten geht dahin, dass sie aus einer kurzen Ich-Entrückung einen religiösen betonköpfigen Glauben basteln. Von nun an fühlen sie sich für IMMER "erwacht", dabei hat ihr Verstand  - statt von der Erfahrung loszulassen - aus einer kurzen transpersonalen Erfahrung nur ein neues Glaubens-Konzept gemacht,und das wird dann manchmal bis aufs Blut verteidigt, nicht anders als es die Glaubenskrieger aller Zeiten getan haben.

Merke: Jede Erfahrung, die man auf dem spirituellen Weg gemacht hat, muss wieder losgelassen werden!

Dass man dies meist nicht möglich ist, liegt an der fehlenden Achtsamkeit für das eigene Denken. Nur Gewahrsein/Achtsamkeit kann die Identifizierung/Verhaftung mit einer Überzeugung als solche WAHRnehmen und auflösen. Ansonsten fällt man nur von einem Glauben (Weltbild)  an eine Überzeugung  in den Glauben an ein anderes Dogma. Man tapeziert sich das Zimmer neu, statt das ganze Haus abzureissen.
Wer sich als Person/Ich nicht annimmt, schafft sich keinen Himmel, sondern eine sadomasochistische Hölle . Und was den Willen angeht:  Der Wille des Menschen ist insofern frei, als er zwischen dem Wahren und dem Unwahren unterscheiden fähig ist, er sich also entweder für den (Ego-) Tod im Leben oder ein Ego-Leben im Tod (Unbewusstsein) entscheiden kann.

Die Würdigung der Person in ihrem Da-Sein - j e t z t - ist es also, die die Startrampe für das transpersonale So-Sein bildet. Objektliebe gibt es nur für die Person, das Ich.  Wenn das Ich transzendiert ist, ist auch die Objektliebe passè und in das göttliche Attribut der "All-Liebe" erhöht - und diese Liebe ist kein umärmelndes menschelndes objektgerichtetes Gefühlchen.

Die Frage nach der Herzöffnung kann nur von jemandem beantwortet werden, der sich den spirit. Heilungs-/ Transformationsprozessen hingegeben hat. Ein einzelnes Blinzeln macht noch keinen letztgültig erwachten Meister.

Nachtrag: Die Antwort des "Erwachten" auf die Frage, was ein offenes oder erwachtes Herz ist, lautete übrigens: Es ist ein Konzept.

Nun ja, das ist gewissermassen ein Totschlagargrument, mit dem man jede weitere Erläuterung im Keim erstickt, denn letztlich ist alles ein Konzept, da das Ego selbst ein Konzept ist. In diesem letztgültigen Sinne ist auch der Erwachte nur ein Konzept, eine Vorstellung des Verstandes. Bei dem Erwachten handelt es sich offensichtlich um einen Dogmenjunkie, wie ich ihn weiter oben schilderte.







Mittwoch, 21. Februar 2018

Die köstlich-schamlose Art wahrhaft Ich zu sein...

Egal, wie oft ich "DIE WAHRHEIT" für mich schon definiert habe, die Frage nach ihr  taucht immer wieder auf von neuem auf. Die Absolute Wahrheit ist nicht definierbar und nicht mitteilbar und dennoch will sie mitgeteilt werden.  Das bringt es mit sich, dass man mit trennenden Begriffen das Untrennbare, die Wahrheit zerteilt, zerteilen MUSS, ansonsten müsste man schweigen.
Hm...Ich  befinde mich immer häufiger mit meinen eigenen "WAHRHEITSgemäßen" Aussagen in Unstimmigkeit. LOL.

Das erinnert mich an jene Zeit vor vielen Jahren, als ich zum Entdecker und Befreier meiner persönlichen Wahrheit wurde. Auch die begann mit "Unstimmigkeiten": langsam begann ich zu fühlen, dass ich im Kontakt mit der Welt nicht im Einklang mit mir war, dass alles, was ich (von mir)  sagte, nicht "wahr" war.  Mein Körper fühlte sich in der Mitte in zwei Hälften geteilt an, eine obere und ein untere. Die Untere Hälfte wurde in meiner  subjektiven Empfindung immer dicker und es drängte sich innerlich mächtig  "etwas" heran und  wollte nach oben hinaus, aber die mittige Blockade hinderte "es" daran. Ich hatte große Angst vor dem Unbekannten, was sich da so gewaltig aus mir herausdrücken wollte. Langsam liess ich die "Luft" aus dem "Bauch" raus und liess zu, was immer auch geschehen würde oder sich zeigen wollte und ich sah den Selbstbetrug, die Lüge, die ich lebte und nicht mehr weiter leben konnte. Ich dachte, ich müßte explodieren und in Stücke zerfallen, wenn nicht ein Wunder geschah. Mir wurde mein gespaltenes und zerrissenes  Selbstbild bewusst: nach aussen gab ich mich selbstbewusst, nach innen fühlte ich mich ohnmächtig allem äusseren Einfluss schutzlos ausgeliefert... Bis die "Luft ganz raus" war, dauerte seine Zeit... Die Geburt, die Jahre später -  im reifen Alter von fast 50 Jahren! -  erfolgte, war mein Erwachen, Erwachen nicht zum transegoischen "Selbst", sondern zum Ich! Zur Persönlichkeit!

Es war schmerzhaft und wundervoll, ein ICH, ein Subjekt zu werden/sein.  "Stark, schön und frei"  war  mein innerer Gesang, wenn ich der Welt mit zitterndem Herzen meine echten Gefühle zeigte, meine eigene Meinung fand und sagte...nichts mehr zurückhielt...die Kontrolle aufgab und sagte, was ich wirklich dachte, statt meine Worte vorsichtig und ängstlich abzuwägen. Die Scham, ich selbst zu sein, war vorbei.  Mehr und mehr verlor ich die Angst vor dem Ich , vor der Welt, vor dem Leben und  begann,  mich auf die Welt wirklich einzulassen. Ich trug mein Herz auf der Zunge und verbarg nichts mehr. ICH ICH ICH jubelte ICH.  ICH lernte, bei MIR zu bleiben und den inneren roten Faden festzuhalten, statt zu verlieren.  Aus meinem vordem negativen Selbstbild wurde ein Strahlendes: Ich konnte, was ich früher nicht konnte:  lustvoll ärglich, "böse" und strahlend wütend und zornig  werden und mir selbst ohne Scham und in reinstem Selbstgefallen sämtliche guten Eigenschaften an die Jacke heften.
Ach,  diese köstliche scham-lose unverstellte  Lust am Selbstausdruck! Bis - - -

Bis mir auch hier bald wieder die "Worte im Munde zerfielen wie modernde Pilze" und alle Gewiss- und Stimmigkeiten sich auflösten imd sich  bei allem, was ICH sagte, sich zunächst ein leiser und am Ende  schreiender Zweifel beigesellte -  wobei sich einmal  mehr die Frage nach der Wahrheit stellte, denn alles, was ich dachte und sagte, empfand ich (wieder) als eine Lüge. Es war, als stünde jemand anderes neben mir und lachte, lachte, lachte, währendessen ich innig und ernsthaft von mir überzeugt mein ICH BIN ICH-Lied sang.
Bis auch dieses Lied wie modriger Pilz usw. (siehe Hoffmansthal, Lord Chandos, LOL)  -  und ich 20 Jahre nach dem Erwachen des Ichs die Geburt des wahren SELBST erlebte.

Nun - seit einiger Zeit ist es wieder ganz ähnlich, alles, was ich schreibe und sage, wird "unstimmig" - ich  gehe schwanger mit einer Ahnung, dass sich mit  der "Spiritualität" auch der spirituelle Jargon wegen "Unstimmigkeit"  ganz aus meinem Sprachschatz verabschieden könnte. Ist das vielleicht der Gipfel der Einfachheit? Am Ende bin ich gar wort- und ausdruckslos nur  Ich-Selbst und weiter nichts? LOL Schaung mer mal... Wenn es so sein wird, werde ich es allerdings nicht mitteilen. LOL.- - 


Heute sehe ich auf dem spirituellen Marktplatz, wie viele der spirituellen Sucher versuchen ihr Wahres SELBST zu realisieren, ohne je wirklich ICH geworden zu sein. Und wie andere wiederum zum Ich erwacht sind, aber irrtümlich annehmen, zum Wahren Selbst erwacht zu sein.  Möglicherweise hat hier der (spirituelle) Narzissmus seinen Ursprung - das spirituelle Superego, das sich als Wahres Selbst tarnt...

Die Geburt des Subjekts scheint mir retrospektiv ebenso numinos zu sein wie die Geburt des Wahren SELBSt.

Samstag, 10. Februar 2018

"Absolute Bitch mit ohne Eier..." Rendezvous mit Karl Renz

Fundstück

Das Selbst ist weder Mann oder Frau,
noch ist es androgyn:
Es ist weder Intellekt noch Vorstellung.
Wie kannst du dann glauben,
dass das Selbst glückselig oder freudlos ist?
[aus: Dattatreya, Avadhuta Gita, 1.471.47.]

K. Renz: Benenne es überhaupt nicht. Vergiss Brahman, Unterwäsche und alles andere einfach. Du kannst es nennen, wie du willst - Plastikwäscheteilchen. Jedes Wort ist gut genug oder nicht gut genug. Ich nenne es den absoluten Bullen! Wenn der Bulle sich kennt, wird er zum Ochsen ohne Eier.
Als das Leben ist er omnipotent. Doch im Traum der Verwirklichung ist er total impotent. Der Schöpfer ist schon Teil der Schöpfung oder des Traums. Ohne etwas Zweites gibt es auch nicht Erstes, was Macht und Kontrolle hat. Also sei das, was weder Erstes noch Zweites und noch nicht einmal das Selbst kennt.


Karl Renz
Heaven And Hell
(Aus dem Buch "Erstes und Letztes")



Hmm....?...Das erste Zitat ergibt für mich keinen Sinn. Ich frage mich hierbei unwillkürlich, wie der Glaube an   Freudlosigkeit und Glückseligkeit mit dem Glauben an Mann, Frau, Androgynität, Intellekt und Vorstellung zusammenhängen. Ziemlich schnell kam ich auf den Trichter, dass hier Gegensätze und Polaritäten als solche gemeint sind, der Text aber den Eindruck macht, dass es sich nur ein paar wenige besondere Gegensätze handelt, wie Mann-Frau, Intellekt-Phantasie usw...
(Ich selbst würd's einfacher ausdrücken:  Das Selbst ist die Einheit jenseits  ALLER Gegensätze. Das SELBST ist weder dies noch das - das heisst, es hat überhaupt KEINE Eigenschaften. Demnach ist das  Selbst  weder glücklich noch unglücklich -  Wer hat dir Idiot gesagt, dass du etwas anderes GLAUBEN sollst? LOL )

 Karl Renz: "Als das Leben ist er omnipotent. Doch im Traum der Verwirklichung ist er total impotent. Der Schöpfer ist schon Teil der Schöpfung oder des Traums. Ohne etwas Zweites gibt es auch nicht Erstes, was Macht und Kontrolle hat. Also sei das, was weder Erstes noch Zweites und noch nicht einmal das Selbst kennt. "
Hmmm...versteh ich immer noch nicht...Das Selbst bzw. der Absolute Bulle hat demnach 2 Gesichter: ein potentes und ein impotentes? Als das Leben ist er omnipotent? Wie definiert Herr R. das  "Leben"? Und inwiefern hat  der "Traum der Verwirklichung" nichts mit dem Leben zu tun?
Richtig: Der Schöpfer ist Teil der Schöpfung. Das heisst, als der "Absolute BULLE", der du BIST hast du dich als Schöpfer plus der Schöpfung erkannt? Prima!  Hm, wieso kommt mir  Causalgesetz mit der Subjekt-Objekt-Beziehung gleichgesetzt oder verwechselt wird?

Dann wirds aber Zeit.... ach nein, du stehst ja schon weit ausserhalb des Ersten UND des Zweiten. Also ausserhalb des dualen SOWIE ausserhalb des nondualen Bewusstseins? Jenseits von  Subjekt und Objekt? Nein, tust du nicht, kannst du  nicht, denn darüber läßt sich nichts wissen und nichts aussagen!
Es ist ein logischer Fehlschluss, zu glauben, dass es ohne Zweites auch kein Erstes geben kann - ohne Objekt kein Subjekt. Ja, das stimmt aber auch nur auf der personal-dualen BW-Ebene - denn so denkt und schlussfolgert nur der Verstand. Und weil der seinen KleinGeist nicht aufgeben kann,  postuliert er über 1 und 2 noch einen ominösen Dritten... Hmmmm.
Der Unheimliche Dritte ist aber niemand anders als der  "Absolute BULLE", der du BIST bzw.  das Absolute SUBJEKT, das ICH BIN. Darüber hinaus ist NICHTS.  Das Absolute SUBJEKT ist nichts anderes als das dekonditionierte und in  die Transzendenz erhöhte "kleine Ich-Subjekt". 

Herr Renz objektiviert das Selbst, als hätte es kein SEIN ihn ihm,  er philosophiert darüber, als sei es nicht zu ihm gehörig, da ist es gut möglich, dass sein "Absoluter Bulle" nicht mehr als  eine Schattengestalt ist, die es aus der Verdrängung zu befreien gilt...  Warum sagt er nicht einfach  "Gott" oder "Ich"? Vertritt er vielleicht eine Spiritualität ohne Gott? Fragen über Fragen...

Tacheles:

Die ganze Verwirrung um das "Erste" und das "Zweite" stammt nur daher, weil und wenn der Egomind  das (erlöste) Ich und das Selbst noch als voneinander getrennt denkt, dazu kommt die Problematik der trennenden Sprache.  Sobald aber die Subjekt-Objekt-Trennung transzendiert ist, ist die letztgültige  Erkenntnis die des Absoluten SUBJEKTS, das ICH BIN - mein ICH-SELBST ist GOTT!  Ich erkenne mich  als der Teil und das Ganze, als werdendes UND seiendes  Bewusstsein "Gottes" in einer den ganzen (inneren) Cosmos einschliessenden SUBJEKThaftigkeit.
Der  trennende Verstand kann dies aber nicht fassen, deshalb muss er aus Nondualitat und Dualität  Gegensätze schaffen, um noch ein Drittes darüberhinaus zu setzen. Nondualität aber umschliesst und umfasst die Dualität.  Das "Eine ohne Zweites" beschreibt das EINE in seiner absoluten SUBJEKThaftigkeit, wenn die Umkehr nach innen durch die Heilung und Integration des persönlichen Schattens vollzogen ist.  Mir als dem  Absoluten SUBJEKT wird das Universum nurmehr von INNEN her aufgetan, d.h. das Objekt (Welt, Kosmos usw.) ist aus der Aussenorientierung in die Innerlichkeit hineingenommen bzw. wird IN der Innerlichkeit - im Herzen! -  WAHRgenommen. Nur so, in dieser Art und Weise ist es richtig und wahr von dem Einen ohne Zweites zu sprechen -  da es keine Objekte mehr ausserhalb vom SELBST gibt,  mit denen man identifiziert ist,  derweil die Trennung zwischen Ich und SELBST - Subjekt und SUBJEKT -  überwunden ist. Der Begriff des Absoluten SUBJEKTs schliesst daher jede Beziehung aus!

Die Botschaft sollte er daher klarerweise lauten: Sei das, was jenseits von Subjekt und Objekt ist - sei das Absolute SUBJEKT, das ICH BIN!
Amen - so SEI es.



Fazit:

Einerseits fordert K.R.  dazu auf, das Selbst gar nicht zu benennen, er selbst aber scheut sich nicht,  das Selbst auf der einen Seite mit den Eigenschaften - Potenz und Impotenz -  eines Bullen/Ochsen zu assoziieren, ob mit oder ohne Eier ist nicht die Frage. Oder vielleicht doch? Wenn das Namenlose auf den Namen "Absoluter BULLE" hört und dementsprechend tierisch riecht, dann kann es nicht das Namenlose sein, zumal dann, wenn es zwei Gesichter hat und sich  noch mit den Gegensätzen/Eigenschaften Potenz vs. Impotenz schmückt.
Nein, es ist nicht egal, welchen Namen man dem Namenlosen gibt. Das Namenlose ist deshalb namenlos, damit es keine Vorstellungen weckt. Der "Absolute Bulle" ist aber ein Begriff, der bestimmte Vorstellungen weckt, zumal noch Erklärungen über IHN abgegeben werden.

  
Alles in allem war diese kurze Begegnung mit Herrn Renz nicht sehr befriedigend. Da müßte man noch einige Begriffe hinterfragen, viele spirit. Sucher und selbst ernannte Lehrer schwätzen z.B. vom "Einen ohne Zweites", ohne jemals zu erklären, was darunter zu verstehen ist. WAhrscheinlich wissen sie es selbst nicht...Nun ja, es ist schon schwer und die Klarheit des Ausdrucks in der Beschreibung unbeschreibbarer "Erfahrungen" ist nicht jedem gegeben bzw. wächst die Klarheit mit der Vertiefung des Gewahrseins. Jaja, es gibt keine Vertiefung, ich weiss, - was hältst du von "erhöhtem" Gewahrsein?  ääähm,  auch nicht? Ok, wenn Gewahrsein weder dies noch jenes ist, dann nenne ich es einfach mal "Absolute Bitch mit ohne Eier" -  gut genug?