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Mittwoch, 26. Dezember 2018

Dem bleibt am Ende heitres Lachen, der aufhört, sich 'nen Kopf zu machen, la la la

.Fundstück

"Alles zu fühlen, was ist, und die Position des Zuschauers auf das eigene Leben einzunehmen, sorgten in der Vergangenheit für viel Verwirrung.
Wenn Du in der Position des Zeugen bist, besteht die Gefahr, dass Du die Geschehnisse und Gefühle lediglich beobachtest, anstatt sie zu fühlen und wahrhaftig zu erleben. Darauf wird so viel an Meditationstechnik und Praxis verwendet, dass es Menschen gibt, die auf diesem Weg die Natürlichkeit und den Kontakt zum wirklichen Fluss des Lebens verlieren.
Eine Vermeidung des Erlebens und der Erfahrung, der Freuden und der Schmerzen durch ein dissoziierendes Beobachten verhindert auch die Chance, die Unendlichkeit zu erfahren. Das Leben wird zu etwas Abgetrenntem und das Innere etwas Künstliches."
(Christian Meyer)

Ok, ich gehe erst mal dem für mich "Verwirrenden" in dem vorliegenden Text von Ch. Meyer nach. Was hier  auf den ersten Blick so klug und weise, so einfach, einleuchtend und glaubwürdig klingt und manchen gläubigen Gemütern lieblich in den Ohren klingt, ist es nämlich ganz und gar nicht. Alles, was hier gesagt wird. ist nicht WAHR, denn es entspringt (falschen) Vorstellungen von dem, worüber sich der Verstand als solcher per se keine Vorstellungen machen kann und darf  und sich ein sog. "Spiritueller" darüber bewusst sein sollte.
Was " in der Vergangenheit für viel Verwirrung sorgte", wird durch Herrn Meyers Erklärungen auch  nicht klarer. Und auch ich verspreche hier in allem heitren Ernste, dass ich nicht dazu beitragen werde, ganz im Gegenteil... lol

Zum ersten: Man kann Gefühle nicht bezeugen, derweil man mit Gefühlen identifiziert ist ! Der "Zeuge" - der nichts anderes als der Fokus des Gewahrseins ist -  basiert ja doch auf der Abwesenheit von egoischem Denken und Fühlen! Wo man aber mit Gefühlen resp. Ego noch identifiziert ist, gilt, es die Gefühle zu FÜHLEN! Das Ego kann Gefühle nicht beobachten, genausowenig wie es Gedanken in flagranti ertappen kann, sondern sich ihrer nur retrospektiv erinnern und über sie nachdenken.  In diesem Sinne gibt es recht eigentlich auch keine  Dissoziation von den Gefühlen. Gefühle kann man entweder fühlen oder verdrängen. Gefühle und Gedanken lassen sich WÄHREND des Fühlens und Denkens einfach nicht zeitgleich  beobachten. Sobald man z.B. wütend ist, ist man identifiziert und der Zeuge gibt den Geist auf. Nochmal: Gewahrsein kann Wut nicht erkennen, weil seine Funktion auf der Abwesenheit egoischer Attribute gründet!


Ja, da gibt es in der Tat viele Spirituelle, die die neutrale transegoische WAHRnehmung zu "üben"  versuchen bzw. imitieren, indem sie bemüht sind, ihr Denken und Fühlen auf "neutrale" Weise zu betrachten, d.h. sie versuchen, auftauchende Gedanken und Gefühle, ohne Wertung und Benennung "wie Wolken am Himmel einfach so vorbei ziehen zu lassen". Solche Übungen werden sogar von einigen spirituellen Lehrern empfohlen. Meiner Erfahrung nach wird aber bei solchen Übungen, wie so oft, das Pferd von hinten aufgezäumt, indem das MacherEgo absichtlich und willentlich etwas zu machen versucht, derweil es mental in's VORAUS setzt, was am Ende des BW-Prozesses ein GEGEBENES ist. (Zirkelschluss).

Solange man unbewusst ist, bzw. mit seinen Gedanken und Gefühlen identifiziert ist, werden solche Übungen gar nicht funktionieren.  Es ist das Ego selbst, welches  hierbei nur den sog. "Zeugen" sowie auch  dessen "neutrale Beobachtung" des Gewahrseins simuliert.  Dabei vertauscht es die Ebenen und verwechselt die normale egoische Aufmerksamkeit/Achtsamkeit mit der höheren Form der Bewusstheit bzw. dem Gewahrsein des sog. Zeugen!  Zeuge sein, heisst aber, letztlich nicht Gefühle und sinnliche Phänomene, sondern transegoische WAHRHEIT zu bezeugen.
Versucht man nun eine neutrale=transegoische  WAHRnehmung zu üben, dann  verdrängt man nur, was man mit Aufmerksamkeit bzw. Achtsamkeit annehmen und würdigen sollte. Dabei stellt sich Entfremdung von den Gefühlen ein, eine pathologische "Dissoziation",  die man in spirituellen Kreisen  oft fälschlicherweise für eine gelungene Ego-Entrückung hält. Eine Dissoziation, die auf Verdrängung basiert,  kann per se keine BEWUSSTE Desidentifikation bzw. Dekonstruktion egoischer Anteile sein, die nur aufgrund  bewusster Identifikation  mit den unbewussten/verdrängten Anteilen geschieht.

Ganz im Gegenteil ist es im Kontext der psychospirituellen Individuation/Ichentwicklung sehr wichtig zu lernen, alle auftauchenden Gefühle nicht nur zu  fühlen, sondern vor  allem erst einmal zu benennen. Anders wird deren Transformation nicht gelingen, als dass man sich seine Gefühle und Gedanken VOLL bewusst macht, indem man sie evtl. verstärkt und benennt. Dies ist keineswegs leicht, denn viele Menschen sind gar nicht im Kontakt mit ihren Gefühlen und können sie daher auch nicht benennen.  Aber gerade solche sind es häufig, die aus ihrer Not eine spirituelle Tugend zu machen versuchen und nicht merken, dass sie mit ihren unheilvollen Bemühungen nur ihre Neurose verstärken. Traumatisierte Menschen  z.B. haben oftmals gelernt, sich durch Dissoziation von ihrem Ich zu lösen, um sich von ihrer Wahrnehmung und ihrem Schmerz der Erfahrung zu distanzieren. Auch wenn diese Art des Selbstschutzes zunächst legitim ist, entfremdet man sich auf diese Weise jedoch immer mehr von sich selbst, statt zu sich selbst zu finden.

In den "WIRKLICHEN  Fluss des Lebens" (Tao) kann man durch solche Meditations-Praktiken nicht kommen.    Wenn Meditation nicht dazu führt, dass man sich der pychischen Widerstände gegen die persönliche wie auch gegen die überpersönlichen Wahrheiten bewusst wird, dann taugt sie nicht.
Wer ACHTSAMKEIT übt und eben dadurch auch im Kontakt mit seinen Gefühlen kommt oder ist, wird solcherart "Meditation" sofort durchschauen, als das, was sie sind: Fake. Wo Achtsamkeit ist, geschieht nämlich Transformation, wer achtsam ist, kann sich m. E. nicht mehr derart von s(ich) entfremden, dass er vergisst, seine Gefühle anzunehmen und zu fühlen. Achtsamkeit erst führt zum "neutralen" ist unverzerrten "Zeugen"=Gewahrsein. Gewahrsein ist jenseits von Gut und Böse.  Achtsamkeit ist nicht "neutral", Achtsamkeit ist erst mal Empathie=Einfühlung in mich selbst.

Merke: Bevor man sich des Fluss' des Tao's bewusst wird, muss erst mal das Ich in Fluss kommen, d.h. kongruent werden. Zum "Vater" kommt man nur über den "Sohn"!
Das neutrale SCHAUEN (Gewahrsein/Bewusstheit) stellt sich durch kontinuierliche Schattenintegration ganz von SELBST ein. Alles was ES dazu braucht, ist ACHTSAMKEIT.

Das Ich muss seine Angst vor dem Leben überwinden und erst einmal lernen, sich wirklich und voll und ganz EINZULASSEN auf das "Leben" bzw. primär auf sich selbst, statt dem "Leben" gegenüber eine künstliche und pathologische Position eines Zuschauers einzunehmen und Gewahrsein zu mimen.

Fazit: Das Verwirrende bei Texten wie denen Ch. Meyers ist u.a. auch, dass man nicht weiss, was der Verfasser unter "Natürlichkeit" und "wirklichen Fluss des Lebens" versteht: Den Fluss des egoischen Lebens (Kongruenz)  oder den Fluss des TRANS-egoischen Wahren Lebens.(Tao) meint er die  Natürlichkeit=Kongruenz des egoischen Ichs oder die "Natürlichkeit" der sog. Wahren Natur des transegoischen "Wahren Selbst"?
Viele Sucher, die sich für Finder halten, halten oft irrtümlich den Fluss der psychischen Kongruenz schon für den transegoischen Flow des Tao, der jenseits der Psyche/Gefühle ist.
(Seinem Text nach zu urteilen, versteht auch  Christian Meyer unter dem  "wirklichen"  Fluss des Lebens irrtümlich die Kongruenz der Gefühle/Seele/Psyche.)


Der ganz Schlaue würde jetzt einwenden, dass es letztgültig ja doch keine Trennung gebe zwischen beiden - dann ergäbe doch der Text Sinn. Das ist richtig, aber sinnig und stimmig auch nur dann, wenn man dabei berücksichtigt, dass nur über die Transformation/Individuation das Ich auch letztgültig transzendiert wird und erst damit die Trennung WIRKLICH überwunden ist. Die meisten spirituellen Theoretiker glauben ja ernsthaft, dass das unerlöste untransformierte Ich mit dem Transegoischen Ich "vereinigungsfähig" sei.

Zum letzten Absatz

Eine Vermeidung des Erlebens und der Erfahrung, der Freuden und der Schmerzen durch ein dissoziierendes Beobachten verhindert auch die Chance, die Unendlichkeit zu erfahren. Das Leben wird zu etwas Abgetrenntem und das Innere etwas Künstliches."
wäre noch zu sagen, dass das Erleben hierbei nicht aktiv vermieden wird, sondern einfach nur die alte Verdrängungshaltung verstärkt wird. Aus der Not wird eine spirituelle Tugend gebastelt.  Für das Ego ist das Leben schon immer etwas Abgetrenntes und das Innere etwas Künstliches.

Oh Lord, es ist verdammt schwer, diese Dinge zu beschreiben, wenn man die Geister nicht unterscheiden kann, aufgrund dessen die Ebenen egoisch-transegoisch zwangsläufig verwechselt werden müssen. Auch muss man die Paradoxa aushalten...

Abgesehen vom "dissoziierenden Beobachten" ist es aber , wie schon gesagt, ganz richtig, zu lernen, das Leben zu leben, was heisst, das (s)ich  selbst zu lieben, statt das Ich weiterhin  - noch dazu unter Mithilfe fragwürdiger meditativer Techniken - zu unterdrücken. Die "Unendlichkeit" resp. die Erkenntnis des Unsterblichen Bewusstseins, das ICH BIN,  kriegt man nämlich nicht ohne Individuation, Ichwerdung.


PS: Nochmal, weil das einfach nicht in den Kopf will, lol:
Durch "dissozierendes Beobachten" von "Erleben, Erfahrung, Freuden und Schmerzen" kann SELBIGES nicht vermieden werden!
Hier an diesem Punkt müßte eigentlich jeder Verstand den Geist aufgeben.

PS: Nochmal... arrrrrgh....
Ich hör jetzt auf, mir'n Kopf zu machen,
Am Ende bleibt nur eins: Das Lachen







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